Praxissoftware Physiotherapie Vergleich 2026 – welche passt zu dir?
Ehrlicher Vergleich für Kassen- und Privatpraxen: Theorg, Optica, thevea, appointmed & Co., die wichtigsten Auswahlkriterien – und wann eine schlanke Lösung ohne Kassenabrechnung reicht.

Die kurze Antwort: Die „beste" Praxissoftware gibt es nicht — es gibt nur die beste für deine Praxis. Die entscheidende Weiche ist, ob du die vollständige GKV-Kassenabrechnung in der Software brauchst oder ob es dir um schlanke Rechnungs-, Termin- und Privatabrechnung geht. Davon hängt ab, ob ein großes Vollsystem oder eine moderne Cloud-Lösung passt. Dieser Guide hilft dir bei der Entscheidung — neutral und mit ehrlichem Marktüberblick.
Die wichtigste Frage zuerst: GKV-Abrechnung — ja oder nein?
Bevor du Anbieter vergleichst, kläre diese eine Frage. Sie halbiert das Feld.
- Du rechnest selbst mit den gesetzlichen Kassen ab (§302 SGB V)
- Du brauchst tiefe Heilmittel-Logik & Controlling
- Mehrere Mitarbeiter, große Praxis
- Du willst alles in einem System, Komplexität ok
- Du rechnest überwiegend privat / Selbstzahler ab
- GKV-Abrechnung läuft über ein Abrechnungszentrum
- Dir sind Bedienbarkeit, Preis & Mobilität wichtig
- Kleine bis mittlere Praxis, schneller Start
GKV-Direktabrechnung (§302 SGB V) ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal.
Viele Praxen lagern die GKV-Abrechnung an ein Abrechnungszentrum aus (z. B. NOVENTI, opta data). Dann brauchst du die §302-Funktion nicht in deiner eigenen Software — eine schlanke, günstige Lösung reicht für Rechnungen, Termine und Privatabrechnung völlig. Wie GKV- und Privatabrechnung zusammenspielen, erklärt der Beitrag Heilmittelabrechnung: GKV vs. Privat.
Die wichtigsten Auswahlkriterien
Statt blind Feature-Listen zu vergleichen, gewichte nach deinem echten Bedarf:
| Kriterium | Worauf achten |
|---|---|
| GKV-Kassenabrechnung | Nur nötig, wenn du selbst über §302 SGB V abrechnest |
| Privatabrechnung | Korrekte USt-Befreiung (§4 Nr. 14), Privatrezept-Bezug |
| Terminplanung | Online-Buchung, Kalender, Serientermine, Erinnerungen |
| Cloud vs. lokal | Cloud = ortsunabhängig, autom. Backups; lokal = volle Datenhoheit |
| Mobil | Tablet-/Smartphone-Nutzung für unterwegs/Hausbesuche |
| Steuer & Export | DATEV-/CSV-Export, GoBD-Konformität, Steuerberater-Zugang |
| Preis-Modell | Anschaffung + Servicevertrag vs. monatliches Abo |
| DSGVO | EU-Hosting, Verschlüsselung, AVV (Art. 28 DSGVO) mit Geheimhaltung und Dienstleister-Liste |
| Bedienbarkeit | Einarbeitungszeit, Support, Updates inklusive |

Marktüberblick: gängige Lösungen im Vergleich
Ein ehrlicher Überblick über verbreitete Lösungen für Therapiepraxen. Grob sortiert nach Ausrichtung:
- Vollsysteme mit GKV-Direktabrechnung – Theorg, Optica Viva: decken den kompletten Praxisbetrieb ab, inklusive §302-Abrechnung, Heilmittelkatalog-Logik und Controlling. Dafür klassisch installiert, mit Anschaffungskosten plus Servicevertrag, und mit spürbarer Einarbeitung.
- Cloud-Systeme mit Termin-/Organisationsfokus – thevea, appointmed: moderne Oberfläche, ortsunabhängig, gut für Terminverwaltung und Online-Buchung. Die Abrechnungstiefe reicht je nach Anbieter von Privatabrechnung bis zu Teil-GKV.
- Schlanke Rechnungs- und Privatabrechnung – Invofy: Fokus auf Rechnungen mit automatischer USt-Befreiung nach §4 Nr. 14, GoBD-konformem Archiv, DATEV-Export, Termin- und Therapie-Doku, mobil nutzbar, günstiger Einstieg. Ohne GKV-Kassen-Direktabrechnung über §302. Der volle Funktionsüberblick steht auf der Seite Abrechnungssoftware für Physiotherapeuten.
| Lösung | Stärken | Schwächen / Grenzen | Typische Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Theorg | Vollständige GKV-Abrechnung, sehr etabliert, tiefes Controlling | Teurer, komplexer, klassisch installiert | Größere Praxen mit GKV-Direktabrechnung |
| Optica Viva | Starke Abrechnungsanbindung, Branchenfokus | An Abrechnungsdienstleister gekoppelt | Praxen mit Optica-Abrechnung |
| thevea | Modern, cloud-basiert, gute Bedienbarkeit | Jünger am Markt, Funktionsumfang im Aufbau | Praxen, die Cloud-Komfort wollen |
| appointmed | Termin- und Buchungsfokus, einfach | Weniger tief bei Abrechnung/Steuer | Termin-getriebene Praxen |
| Invofy | Rechnungen & Privatabrechnung (USt-Automatik §4 Nr. 14, GoBD), Termine, Therapie-Doku, DATEV-Export, mobil, günstiger Einstieg | Keine GKV-Kassen-Direktabrechnung (§302) | Privat-/Selbstzahler-Praxen & schlanke Abrechnung |
Ehrlich eingeordnet: Invofy ist stark bei Rechnungsstellung, Privatabrechnung, Steuer-Automatik und Terminen — und bewusst schlank und günstig. Für die vollständige GKV-Kassenabrechnung über §302 SGB V sind klassische Vollsysteme wie Theorg die richtige Wahl. Viele Privatpraxen brauchen genau das aber nicht. Ein direkter Funktionsvergleich steht unter Invofy vs. Theorg.
Cloud oder lokal installiert?
Eine Grundsatzentscheidung, die oft unterschätzt wird:
Auf versteckte Kosten und Bindung achten
Der genannte Monatspreis ist selten alles. Frag konkret nach:
- Anschaffung vs. Abo: Einmalkosten plus Servicevertrag oder reines Monatsabo?
- Module: Sind Terminplanung, Online-Buchung, Export inklusive oder Aufpreis?
- Updates & Support: im Preis enthalten?
- Mehrplatz/Mitarbeiter: Kosten pro zusätzlichem Nutzer?
- Vertragslaufzeit: Monatlich kündbar oder 12- bis 24-Monats-Bindung?
- Datenexport: Bekommst du deine Stamm- und Rechnungsdaten jederzeit in einem offenen Format heraus?
Bei klassischen Vollsystemen ist der Datenexport oft die größte Hürde beim späteren Wechsel. Kläre vor Vertragsabschluss schriftlich, in welchem Format du Patienten-, Termin- und Rechnungsdaten exportieren kannst — sonst sitzt du fest, auch wenn die Software nicht mehr passt.
So läuft der Umstieg ab
Wechselst du von einer Altlösung (oder Excel), geh in drei Schritten vor:
- Stammdaten migrieren: Patienten, Leistungen und Preise als CSV exportieren und in die neue Software importieren.
- Rechnungsarchiv sichern: Bestehende Rechnungen als PDF exportieren und revisionssicher archivieren — die Aufbewahrungspflicht läuft weiter (8 Jahre, §147 Abs. 3 AO).
- Stichtag wählen: Den Wechsel auf einen Quartals- oder Jahreswechsel legen, damit die Rechnungsnummernkreise sauber bleiben. Längeren Parallelbetrieb vermeiden.
Wie der Umstieg von Excel konkret abläuft, steht im Artikel Excel-Alternative für die Therapiepraxis.
DSGVO & Datenschutz nicht vergessen
Patientendaten gehören zu den besonderen Kategorien nach Art. 9 DSGVO. Prüfe bei jeder Lösung:
- Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nach Art. 28 DSGVO — am besten vor Vertragsschluss einsehbar.
- Verpflichtung zur Geheimhaltung: Als Physiotherapeut:in unterliegst du der strafrechtlichen Schweigepflicht. § 203 Abs. 4 StGB verlangt, dass du den Anbieter zur Geheimhaltung verpflichtest — und er seine Mitarbeitenden. Die allgemeine Vertraulichkeitspflicht eines AVV nennt die Schweigepflicht nicht; achte deshalb auf eine ausdrückliche Geheimhaltungsklausel.
- Liste der Unterauftragsverarbeiter: Welche Dienstleister (Hosting, Datenbank, E-Mail-Versand) sehen die Daten, und wo sitzen sie? Nach Art. 28 Abs. 2 DSGVO darf der Anbieter weitere Dienstleister nur mit deiner Genehmigung einsetzen und muss dich über Änderungen informieren. Übermittlungen in Drittländer sind nur nach Kapitel V DSGVO zulässig.
- EU-Serverstandort und Verschlüsselung — bei Diagnosen und Therapienotizen idealerweise auch in der Datenbank, nicht nur bei der Übertragung
- Zugriffsrechte und Zwei-Faktor-Authentifizierung
- Export und Löschung: Bekommst du alle Daten heraus, und werden sie nach der Kündigung gelöscht?
- bei lokaler Software: eigene Backup-Strategie und Update-Disziplin
Eine seriöse Cloud-Lösung ist hier oft sicherer als eine ungepflegte lokale Installation — vorausgesetzt, Hosting und Verträge stimmen. Zur Orientierung: Den AVV von Invofy kannst du vorab vollständig lesen, mit Geheimhaltungsklausel und allen Dienstleistern samt Standort.
Checkliste: die richtige Software finden
Fazit
Die Softwarewahl beginnt nicht bei der Feature-Liste, sondern bei deiner Praxis: GKV-Abrechnung oder nicht, Budget, Praxisgröße, Cloud-Wunsch. Vollsysteme wie Theorg und Optica sind stark für die komplette Kassenabrechnung; moderne Cloud-Lösungen sind günstiger und einfacher, wenn der Fokus auf Rechnungen, Privatabrechnung und Terminen liegt. Teste, bevor du dich bindest, kläre den Datenexport — und zahle nicht für Module, die du nie nutzt.
Häufig gestellte Fragen
Welche Praxissoftware ist die beste für Physiotherapie?
Was kostet eine Praxissoftware für Physiotherapie?
Brauche ich eine Software mit GKV-Kassenabrechnung?
Lohnt sich der Wechsel von Theorg zu einer Cloud-Lösung?
Ist eine Cloud-Praxissoftware DSGVO-konform und sicher?
Wie läuft der Umstieg auf eine neue Praxissoftware ab?
Quellen
- §302 SGB V — Abrechnung der Heilmittelerbringer mit den Krankenkassen
- §4 Nr. 14 UStG — Steuerbefreiung für Heilbehandlungen
- Art. 28 DSGVO — Auftragsverarbeitung und Art. 9 DSGVO — besondere Kategorien personenbezogener Daten
- § 203 StGB — Verletzung von Privatgeheimnissen (Absätze 1, 3 und 4)
- Anbieter-Informationen (Stand 2026): theorg.de, opticaviva.de, thevea.de, appointmed.com — Funktionsumfang und Preise ändern sich, bitte direkt beim Anbieter prüfen.

Über den Autor
Benjamin Krug
Benjamin Krug ist Gründer von Invofy und beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit der GoBD-konformen Rechnungs- und Praxisverwaltung für Heilberufe. Er arbeitet eng mit Physio-, Ergo-, Logo- und Psychotherapie-Praxen zusammen und übersetzt komplexe steuer- und abrechnungsrechtliche Vorgaben (§14 UStG, §4 Nr. 14 UStG, GoBD, E-Rechnung) in praktikable Abläufe. Invofy entstand aus der Beobachtung, dass Therapiepraxen zwischen Excel-Tabellen und überdimensionierten Praxis-Systemen keine passende, rechtssichere Lösung finden. Alle Inhalte werden nach bestem Wissen recherchiert und mit den genannten Quellen belegt — sie ersetzen jedoch keine individuelle Steuerberatung.
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